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1 Dec 2009

Fußnote zur Fußnote 40. 2.) Iffezheim


The steel cupola of the French Maginot Line on the western embankment of the Rhine about 500 meters south of the Wintersdorf Bridge (L78b road), the northern of the two bridges at Iffezheim.
Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.


Auwaldhütte, 28. März 1940

“Seit zwei Tagen hause ich in meinem neuen Gefechtsstand, einer Holzhütte inmitten des lichten Auwaldgürtels, der den Rhein und die verschlungenen Altwasserarme vor Iffenzheim umschliesst. Erhöte Stege führen zu den Kampfbunkern am Flussufer.”

Auwaldhütte, 14. April 1940

“Am frühen Morgen weckten mich die Maschinengewehre vom Panzerwerk 'Roter Rhein' – das neue in der oberen Scharte des Panzerturmes und das überschwere, das unseren rechten Flügel flankiert. Ich rief Erichson an und gab ihm Feuerbefehl. Dann fuhr ich, nachdem ich mich hastig angezogen hatte, mit dem Rade durch den Auwald nach vorn.

Kurz vor dem Stand geriet ich in eine Garbe, die in die Pappelstämme klatschte, und suchte eilig den Verbindungsgraben auf. Spinelli, der bereits an Ort uns Stelle war und mit der Besatzung hinter der Betonwand des Bunkers stand, winkte mich richtig ein. Ich liess zwei schwere Gewehre auf die Scharten richten und teilte Scharfschützen ein. Dann ging ich, um noch einen guten Richtschützen zuzuziehen, zu Erichson, in dessen Kampfraum ich den Krankenträger fand. Er war damit beschäftigt, Erichson zu verbinden, der stark am Halse blutete, auch hatte er drei Schützen, die surch Splitter verletzt waren, mit Jod betupft. Sie waren alle benommen wie Fische, die plötzlich an die Luft gezogen sind.

Ich hörte, dass ein Schartentreffer mit lautem Knall und einem Feuerstrahl im Raum auseinandergeflogen war. Andere Geschosse hatten das Maschinengewehr am Lauf getroffen und das Zielfernrohr gekappt, das auf dem Tische lag. Zum Glück war auch Erichson nur leicht verletzt, so dass ich mich gleich wieder zu jenem Stande begeben konnte, der unser Brennpunkt ist.

Die Garbe strich noch durch den Wald, in dem mir der Verbindungsgraben zustatten kam. Freilich war er noch nicht durchlaufend ausgebaut, so dass es auch Stücke zu überspringen gab. Sehr gut die Kalkulation an Strecken, an denen es so über Deckung geht. Der Geist stellt immer eine scharfe Wahrscheinlichkeitsrechnung an, ehe der Körper springt.

Vor dem Stande hatte Spinelli schon alles aufgebaut. Ich ging noch einmal an das Scherenfernrohr und visierte die Scharte an, aus deren Schlitz ein neues und stärkeres Gewehr als jenes vor unserer letzten Räucherung hervorragte. Nachdem ich den Richtschützen eingeschärft hatte, dass es von ihnen abhänge, ob der Beschuss ernsthaft erwidert würde oder nicht, gab ich das Feuer frei. In diesem Augenblick strichen drüben, wie vor einer Zauberhandlung, zwei Elstern mit leuchtend weissem und erzgrünem Schimmer von den Bäumen über die Kuppel ab.

Dann hämmerten die Gewehre, und die glühenden Garben trafen sich im Schartengrund. Zuweilen griffen die Geschosse höher und schnitten den Pappeln, die im Innenhof des Werkes wachsen, die Zweige ab, oder sie rutschten, und die Einschläge stäubten auf den Beton der Mauer und spritzten in den Rhein. Andere zupften an der Trikolore, die neben dem Turme weht.

Ich sah, wie drüben das Gewehr das Feuer sogleich erwiderte, doch hörte nach einer kurzen Spanne das Stossen der von einem leichten Dampf umspielten Mündung auf. Ich hatte das vorausgesehen, denn das Dauerfeuer hält die Waffe gleich einer Zange fest, da die Bedienung nicht wagt, die währenddessen zurückzuziehen. So schlägt man sie mühelos entzwei.
Nach diesem Zwischenspiel ging ich zum Frühstück und war dann, wie jeden Sonntag, in Iffenzheim bei Dr. Eiermann, zu Hecht und Moselwein. Der Morgen war rein, klar, frisch in den Farben; auch kehrt im Feuer das Bewustsein, das sich doch stets in Teilen ausserhalb befindet, als aufmerksamer Wächter in den Körper zurück. Man fordert in der Krisis die Aussenstände ein.

Am Abend erfuhr ich, dass der pfenniggrosse Splitter, der Erichson getroffen hat, tief eingedrungen ist. Verletzungen am Hals sind immer peinlich, da sich durch diesen Teil die Lebensbahnen wie durch einen Isthmus ziehen.

Bei den Scharmützeln fühlt man sich hinter den Gewehren in der offenen Feuerstellung wohler als in den Bunkern am Feuerstand. Die winzigen Schlitze und Scharten, durch die das Auge des Verteidigers aus den festen Werken auf das Gelände späht, gleichen Magneten, die die Feuermassen des weiten Raumes auf sich ziehen. Auf diese Weise gerät die Mannschaft, wie in den Taucherglocken der Tiefsee, unter Überdruck. Die Werke sind Mammute des Widerstandes, aber vielleicht gerade deshalb vom Aussterben bedroht, weil der Gedanke der Verteidigung so rein in ihnen zum Ausdruck kommt."


Diary notes from the Westwall at Iffezheim, the Spring 1940.
Quotes from Ernst Jünger,
Strahlungen (Gärten und Strassen. Aus den Tagebüchern von 1939 und 1940),
published on the Internet at strahlungen2010.blogspot.com



Locating the fortifikations where Ernst Jünger was in the Iffezheim area is somewhat problematic as the riverbed of the Rhine has changed since the war. It is however more straightforward to find the French steel cupola "Roter Rhein". According to Boris Traub in Iffezheim there is only one such construction in the area at the French side of the river.


Location of a steel cupola (see picture above) of the French Maginot Line opposite Ernst Jünger at Iffezheim 1940, at point 119 on the French IGN map, close to a small marina.



Bunker at the German side of the Rhine, about 500 meters south of the Wintersdorf bridge, opposite the French steel cupola.
Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.



Bunker at the German side of the Rhine, about 500 meters south of the Wintersdorf bridge, opposite the French steel cupola.

Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.


Thanks for all help Michael Pfahler!

13 Apr 2009

Cocktail Regniéville Nights reviewed



I have let a test person (Anders Hammarberg above) and myself try the suspicious drink mentioned by Ernst Jünger in the Regniéville chapter (see previous posting), a fifty-fifty mixture of red wine and egg liquor in a big-bellied glass, to be sipped sitting in the gloaming with the door open, between the chill autumnal air and the warmth of the fire, whilst keeping the diary or reading.

Actually this mixture is not as terrible as one might suspect. We chose a rather oak barrell vanilla tasting Rioja, to go with the vanilla flavoured egg liquor Advocaat. The red wine made the egg liquor less sweet; the egg liquor removed the red wine character. The combination is interesting, not altogether bad for a chilly night we agreed, but not something we would like to recommend though.

27 Jan 2009

Landhausschule, Heidelberg


Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.


Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.

"Der Zug brachte uns nach Heidelberg. Beim Anblick der von blühenden Kirschbäumen bekränzten Neckarberge empfand ich ein starkes Heimatgefühl. Wie schön war doch das Land, wohl wert, dafür zu bluten und zu sterben. So hatte ich seinen Zauber noch niemals gespürt. Gute und ernste Gedanken kamen mir in den Sinn, und ich ahnte zum ersten Male, daß dieser Krieg mehr als ein großes Abenteuer bedeutete. [...] Die Wunde war in vierzehn Tagen geheilt."
Ernst Jünger, In Stahlgewittern, S. 38.

"In schöne weiß Betten gelegt, gut genährt, fuhr ich durch das schöne deutsche Land bis Heidelberg, wo ich in der Lazarett „Landhausschule“ unterbracht wurde. Als ich durch der Heidelberger Blutenpracht aus dem Zuge gesehen wurden, dachte ich nicht, daß ich wieder in den Krieg hinausmußten."
Ernst Jünger, "Kriegstagebuch", Band 2, 24. IV. 1915.
"Vor über zwei Jahren fuhr ich zum erstem Mal verwundet in das blühende Heidelberg ein. Da schlug das Herz höher, es war einer der schönsten Augenblicke und ich dachte, daß nun wohl bald der Friede kommen würde. Es muß, doch Fruhling wurden!"
Ernst Jünger, "Kriegstagebuch", Band 11, 24. V. 1917.

Diary quotations published on the Internet by
Arnout Arens,
Die Ode des Schlachtfeldes. De Konservative Revolution in Ernst Jüngers Kriegstagebuch, p. 62.


14 Jan 2009

Fußnote zur Fußnote 40. 1.) Greffern


Westwall bunker from Regelbau 10, east of Greffern.
Photo:
Michael Pfahler © All rights reserved.

Bei Greffern, 11. November 1939

“Nach Mitternacht trifft, ganz durchnässt, die Turppe ein. Die Gruppen werden durch Führer zu ihren Werken gebracht. Ich ziehe mit dem Kompanietrupp in unseren Bunker, der zwanzig Pritschen fasst, und habe, da es nicht leicht fällt, hier einzuschlafen, Musse, mich in der neuen Umgebung umzusehen. Sie ist kälter, ungemütlicher als die entsprechenden Orte im Weltkrieg - schon desshalb, weil man damals in Holz und Erde hauste, während jetzt Beton und Eisen an ihre Stelle getreten sind. Die Architektur ist schwer und niedrig, wie für Schildkröten berechnet, auch erwecken die schweren Stahltüren, die luftdicht zuschnappen, ein Gefühl, als zwängte man sich in Kassenschränke ein. Der Stil ist finster, unterirdisch, eine Durchdringung von vulkanischem Schmiede- und rohem Zyklopenelement. Gleich neben dem Eingang steht ein Topf mit einer kalkigen Flüssigkeit, wohl gegen Kampfstoffverletzungen. Die Luft ist warm, ölig, schlägt sich feucht an den Wänden nieder; sie riecht nach Gummi, Steinkohlenfeuer und Eisenrost. Da sie sich schnell verschlechtert, muss jeder abgelöste Posten noch eine Viertelstunde an der Kurbel eines grossen Entlüfters drehen, der Frischluft durch einen Filter presst. Dazwischen hört man die Schläfer im Traume murmeln und die Klappen des Kastens fallen, an dem die Fernsprechwache sitzt. Sie antwortet mit 'Hier Führer Kühlraum', wenn sie von meinem Zügen 'Klara', "Fliederbusch" und 'Limburg' angerufen wird. Auch melden sich das grosse mir unterstellte Werk 'Alkazar' als 'Fliegenpilz', das Bataillon als 'Dämmerlicht' und das Regiment als "Adonis". Das Kauderwelsch passt nicht übel zur Architektur. Hinzu kommt für mich, dass ich neu in der Truppe bin. Die Aufgabe wird mir gleichsam als Silbenrätsel vorgeschüttet, aus dem ich erst den Text zusammensetzen muss.“
Schilfhütte, 13. Februar 1940
“In den Morgenstunden wird es in der Schilfhütte kühl. Obwohl ich unter drei Decken und meinem Mantel im Schlafsack liege, tastet sich die Kälte allmählich zum Körper, bis an die Pulse, durch, und nach einer Weile unruhigen Schlummers entzünde ich die Kerze, die auf dem Wandbrett steht. Ihr Schein fällt auf die Decke, die aus Lagen des langen gelben Schilfes gebildet ist, das hier in feuchten Niederungen und am Rand der Seen wächst. Sein hohes knotiges Stroh wird in der Stellung so mannigfach verwendet, dass es ihr das Gepräge oder die Stimmung gibt. Vor allem liefert es den Stoff zur Tarnung der Strassen und Anmarschwege, die es duch langgedehnte Spanische Wände zugleich verblendet und weithin sichtbar macht. Auch sind die Ufer des Rheines zu beiden Seiten durch solche Rohrgardinen abgeschirmt. Und endlich dienen diese schlanken Halme zur Deckung der Wände und Dächer aller Bauten, die nicht, wie die Bunker, rein dem Kampfe gewidmet sind - wie der Latrinen, der Postenstände und der Hütten, in denen die Mannschaft wäscht und kocht und ihre Waffen reinigt und die wie Lauben oder Nester flüchtig an den Beton der Werke angeheftet sind. Während den Bunkern und den Drahtverhauen in dieser Winterlandschaft eine bleierne Schwere innewohnt, verleihen die gelben Bänder und Hütten ihr einen freien und sonderbaren Zug. So könnten Welten, in denen intelligente Vöge wohnen, besiedelt sein.

Neben der Kerze liegt ein Handbuch, in dem ich noch ein wenig lese, zumeist die Bibel und in diesen Tagen Boëthius. Weitere Bücher, draunter auch Schiess- und Kampfvorschriften, sind auf einem Holzbord aufgeschichtet, das sich nahe dem Schilfdach an der Wand hinzieht. Gleich über dem Lager sind Pistole, Gasmaske und Fernglas an Nägeln aufgehängt. Sonst weisen die rohen Bretter als Schmuck nur eine Stellungskarte auf. Zu erwähnen sind ferner der mit Karten und Papieren reich bedekte Tisch nebst einer Wandbank und dem Telefon, der Koffer und der kleine Ofen, der in seiner von der Glut gebräunten Ecke steht. Neben ihm trocknen kurze Knüppel von Erlenheistern, die ich am Schwarzbach fällen liess. Ihr Holz ist glänzend, hell genarbt und an den Schnitten gelblichrot verfärbt. Die Ofenhitze entlockt ihm einen Duft, der die Erinnerung an heisse Sommerstunden in den Sümpfen weckt.

Kurz vor acht Uhr tritt Rehm herein und zündet Feuer an. Dann giesst er Wasser ein und reicht mir beim Waschen und Rasieren die Gegenstände zu. Sehr aufmerksam und immer ein Augenblickchen eher, als ich sie brauche, als nähme er an einer feierlichen Handlung teil. Inzwischen fängt der Rest des Wassers an zu kochen und dient zum Teeaufguss. Es folgt das Frühstück mit Brötchen und Butter aus dem Dorfe Greffern; Ihm schliessen sich die ersten Geschäfte an.

So lese ich die Berichte des Offiziers und Unteroffiziers vom Stellungsdienst, während sich Urlauber und Arbeitskommandos abmelden. Neben der Schilfhütte liegt ein zweiter, ähnlicher Bau, in dem der Kompaniertruppenführer, wenn er des Morgens aus dem Bunker kommt, an seine Arbeit geht. Am Mittag trifft der Hauptfeldwebel aus Stollhofen hier mit Befehlen und der Unterschirftenmappe ein.

Während des Frühstücks hat Rehm die Blende vor dem Fensterchen entfernt; ich blicke aus ihm, wie schon so oft in meinem Leben, auf die Geflechte und Stacheln des Drahtverhaues, wie er, zusammen mit dem Sprengstoff und den Splittern, zu den Symbolen unserer Zeit gehört. Darüber leuchtet im Hintergrunde die Kuppel des Kirchturms von Stollhofen, und wenn ich mich dicht an die Scheiben beuge, fange ich mit dem Auge zugleich die Kirche von Schwarzenbach ein, die als ein mächtiges rotbraunes Steingebilde in unserem Rücken liegt. Sie scheint für ein so kleines Dort gewaltig, doch das erklärt sich daraus, dass sie als Zeugin eines längst zerstörten Klosters erhalten blieb. Zuweilen, wenn ich in Schwarzenbach zu schaffen habe, steige ich über wüste Böden und ein Gewirr von Treppen in ihren Turm hinauf, in dem ich die Batterie, die meinen Abschnitt überwacht, eine Beobachtung unterhält. Es ist dort recht gemütlich; ein elektrischer Ofen heizt die kleine Türmerstube, an deren Wände Schusstafeln, Feuerpläne und Tabellen hängen und durch deren Auslug man bei klarem Wetter das Strassburger Münster sehen kann.

Meist wird es zehn Uhr oder später, ehe der Rundgang durch die Stellung beginnt. Ich fange ihn, nachdem ich die Reservebunker besichtigt habe, über den Einstieg der Elefantenbrücke am rechten Flügel an. Die Posten und die Kommandanten melden auf die vorgeschriebene Weise, und zuweilen trete ich mit vorgefasster Absicht in eins der Werke ein. So prüfe ich einmal, ob die Handgranaten an ihrem Platze lagern, dann, ob die Türen luftdicht schliessen, ob die Waffen auf die befohlenen Ziele zeigen und ob die Bunkerbücher tagtäglich nach dem vorgeschriebenen Schema ausgefertigt sind. Auf diese Weise komme ich über die Zugführerbrücke bis zum Werk III mit seinen beiden Türmen und von dort zur starken Panzerfeste 'Alkazar', die fast am linken Flügel liegt. Während des Rundgangs melden sich die Führer der im Abschnitt eingesetzten Pionier- und Arbeitszüge und ebenso die beiden Unteroffiziere, denen der Stellungsbau und die Beobachtung des Feindes besonders übertragen sind.

Da drüben die Ufer dicht bewaldet sind, ist von den Franzosen wenig wahrzunehmen, eine vorgeschobene Postierung ausgenommen, die von uns als 'Grosse Tarnung' bezeichnet wird. Das ist ein Bauwerk, dessen Art uns Stärke unklar sind, da es sich gänzlich hinter dichten Matten und Tannengrün verbirgt. Doch ist es gut besetzt, wie aus den Posten, die sich sorglos zeigen, zu schliessen ist; auch wirbeln über die grünen Mauern Wolken von Tabakrauch empor.

Endlich, und möglichst um die Mittagsstunde, pflege ich noch in der Küche vorzusprechen, die im Zollhaus von Greffern liegt. Hier ist die Aufbewahrung, Güte, Zubereitung und Menge der Speisen nachzuprüfen, wobei es manchen Anstand gibt.

Den Rückweg nehme ich dann über den 'Toledo'-Graben, der vom 'Alkazar' durch die leeren Felder zum Gefechtsstand führt. Der Pfad liegt verödet, da er sich zum Teil durch überschwemmte Wiesen zieht, auf denen man mit Gummistiefeln die Fährte spüren muss. Dennoch ist dieser Abschnitt meines Ganges mir der liebste, und ich betrachte die halbe Stunde, die ich auf ihm verbringe, als mein Eigentum. Sie ist die einzige, die ich in voller Einsamkeit geniesse und die Ähnlichkeit mit meinem Leben in den vergangenen Jahren hat. So spinne ich auch in ihr die abgerissenen Pläne wieder an.

Diese Strecke mit ihren wechselnden Beständen lädt dazu ein, in kleinen Exerzitien Gedanken vorzuordnen und wieder zu zerstreuen. Sie führt entlangt alter Weiden, deren hohle Stämme sich halb im vergilbten Schilf verbergen, und mündet hier und dort in Mais- und Tabakfelder, die nicht abgeerntet sind. Diese Bestände wechseln mit dem hohen, verdorrten Kraut und Tobpinambur, die man im Volk die Schnapskartoffel nennt und deren in Zehen gespreizte Wurzel verfüttert wird. Dem gleichen Zwecke dienen schwere weisse Rüben, die in dem Viertel, in dem sie über dem Boden stehen, von der Sonne gerötet sind. Man erntet zunächst ihr grünes Kraut und mietet sie an Ort und Stelle in kleine Hügel ein, die dann im Winter nach Bedarf geleert werden.

Zuweilen belibe ich auch stehen, um mit meinem guten Glase die Tiere in den öden Feldern zu beobachten. Der Kiebitz flattert schreiend um die Ränder der überschwemmten Stücke, auf deren Inseln dunkle Schwärme von Krähen Wacht halten. Im Dickicht der Hindernisse, die in vielen Reihen labyrinthisch die Front begeliten und hoch von dürrem Gras durchsponnen sind, haben sich Rebhühner und Fasane eingenistet; sie schwirren vor dem Fuss des Wanderers davon. Sehr prunkvoll ist der Anblick des Fasanenhahns, der wie ein Spielwerk im Schimmer seiner bunten Bronzen aufsteigt, mit langem, durch den Wind gewellten Stoss. Auch Rehe treten in das Erlendickicht des Schwarzbachgrundes ein, während man in den kahlen Wipfeln seiner Pappeln Raubvögel Auslug halten sieht. Sie scheinen vor allem nach Maulwürfen auszuspähen, die das hohe Grundwasser dicht am Lichte bauen zwingt. Daher sind sie so wohlfeil, dass nur ihr Eingeweide noch ausgeschnäbelt wird, indes man die kleinen roten Rippenstücke verschmäht auf den verwaisten Hügeln leuchten sieht.

Über die mittelere der Schwarzbachbrücken kehre ich zum Gefechtstand zurück. Um diese Zeit pflegt Rehm Ausschau nach mir zu halten, und wenn ich die Tür der Hütte offne, dampft die Suppe auf dem Tisch. Meist gibt es Nudeln, Graupen, Weisskohl, Steckrüben oder Reis, im Glücksfall auch Linsen, Gulasch oder eine Scheibe Fleisch. Da ich den Abschnitt durch den Kompanietruppenführer, einen Oberförster, bejagen lasse, hängt in unserer Waffenkammer zuweilen auch etwas Wils, das wir für kleine Feste aufsparen.

Der Nachmittag wird meist mit kleinen Dienstgeschäften und Papierkrieg ausgefüllt. Zuweilen wandelt sich die Schilfhütte auch zum Tribunal, mit peinlichen Vernehmungen bei Kerzenlicht. Es handelt sich dabei stets um die gleichen Vergehen: Urlaubsüberschreitung, unerlaubte Entfernung, um in den kleinen Wirtschaften der Dörfer zu zechen oder Mädchen aufzusuchen, und Verstösse gegen die Wachtvorschirft. Der Nervenkrieg versetzt die Menschen in einen Zustand der Unfreiheit, in dem der reine Ablauf der Zeit bereits als Schmerz empfunden wird. Indem der Einzelne dem zu entrinnen sucht, fügt er sich leicht Beschädigungen zu.

An manchen Nachmittagen mache ich auch blau bei einem guten Kaffee, der mir von Freunden in feingemahlenen Portionen gespendet wird. Am Brett des kleinen Fensters picken Buchfinken, Blaumeisen und Hänflinge die Kuchenkrümel auf, unter denen eine kleine, rostrote Ratte Nachlese hält. Sie haust in den mit Weidengeflecht verstärkten Wänden der Schilfhütte, und jedesmal, wenn sie in ihr Nest einfährt, wird sie von ihren Jungen mit feinem, freudigem Pfeifen begrüsst. In anderen Teilen des Geflechtes treiben Maulwürfe, die Rehm als 'Hamster' bezeichnet, ihr Wesen - wühlende, räumende Beweger von Lasten, die ein Geräusch erzeugen, das die Fähigkeit so kleiner Tiere bei weitem zu übersteigen scheint.

Dann naht die angenehme Stunde, in der mit der Abenkost zugleich die Post nach vorne kommt. Auch meldet sich die Abteilung zurück, die an der Reihe war, nach Schwarzenbach zum Baden geschickt zu werden - meist ein wenig angeheitert, doch ist diese Unordnung gesetzlich, da laut Kompaniebefehl nach dem heissen Bade, um Erkältungen vorzubeugen, ein Wirtshaus aufzusuchen ist.

Zum Abendessen setzt Rehm Wachskerzen auf, die einen angenehmen Duft ausströmen. Es folgt nun eine ausgedehnte Beschäftigung mit Büchern, da ausser der Korrespondenz die Leküre als einzige der gewohnten Geschäfte ist, das sich hier weitertreiben lässt. In den ersten Wochen pflegte ich um diese Stunde wie zu Hause Tee zu trinken, doch machte ich die Erfahrung, dass beim Leben so dicht am Boden Rotwein besser bekommt. Auf diese Weise lernte ich den deutschen Burgunder kennen, gegen den ich, wie gegen den deutschen Kaviar, ein Vorurteil besessen hatte, das unberechtigt gewesen war. In seinen besten Jahren, Lagen und Gewächsen gewinnt er einen kapriziösen Geist, den südlichere Gebirge zu entwickeln nicht fähig sind.

Natürlich gehören auch diese, wie alle vierundzwanzig Stunden des Tages, zum Dienst, und die Musse gleich der einer Spinne im Netz. Sowie an irgendeinem Punkt eine Berührung oder Beobachtung erfolgt, ertönt das Summen des Telefons. Gegen elf Uhr treffen die Melder von den Zügen ein, und um Mitternacht geht die Mogenmeldung an das Battailon.

Damit ist der Tag beendet, wenn nicht noch ein letzter nächtlicher Rundgang durch den Abschnitt folgt.”

Diary notes from the Westwall at Greffern, the Winter 1939/1940.
Quotes from Ernst Jünger,
Strahlungen (Gärten und Strassen. Aus den Tagebüchern von 1939 und 1940),
published on the Internet at strahlungen2010.blogspot.com



Ernst Jünger’s bunker at Greffern was (according to Boris Traub) in the second line of the Regelbau 10. The remains of it, with a remaining inscription, is to be found east of Greffern.



Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.



Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.



Warning signs at the Westwall bunkers at Greffern.
Photo: Michael Pfahler © All rights reserved.


About 50 Westwall bunkers in the Greffern, Schwarzach, Stollhofen and Söllingen (Rheinmünster) area have been removed by German authorities. Originally there were five bunkers in Jünger's "Schwarzbachbogen". Now only one is remaining. Surrealistically, as the French and Belgian authorities have realized the important culture heritage value of the material remains of the World War One, the German authorities still fail to do so concerning the archaeological evidence of the Third Reich. One might naïvely believe that keeping the memory of the Nazi period is of high priority for the German authorities, but in reality they are bulldozing away the Nazi past, one trace after another, in secret.



Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 146-1985-077-27, Getarnter Bunkerbau bei Greffern. März 1940. Thanks Boris Traub!

11 Jan 2009

Footnote to page 112 - Vraucourt dugout



"I took [...] and some exquisite little items from Roger & Gallet, no doubt keepsakes from some romantic leave in Paris."

The Roger & Gallet perfume house was founded in Paris in 1862. Above is a Roger & Gallet add from 1925.

9 Jan 2009

Seeigeln, Muscheln und Ammoniten [Fußnote zur Fußnote 200.]

"Jedesmal, wenn ich den Abschnitt durchschritt, kam ich mit Taschen voll Muscheln, Seeigeln und Ammonshörnern in den Unterstand zurück."







Seeigeln,









Muscheln









und Ammoniten.

27 Nov 2008

Fußnote zur Fußnote 380: Egils Saga Skallagrímssonar


Link
From Egil's Saga (Egils Saga Skallagrímssonar), English translation by W. C. Green (1893) [Icelandic added]:

HEAD-RANSOM

1.
'Westward I sailed the wave
Within me Odin gave

The sea of song I bear

(So 'tis my wont to fare):

I launched my floating oak

When loosening ice-floes broke

My mind a galleon fraught

With load of minstrel thought.


Vestr fórk of ver,
en ek Viðris ber
munstrandar mar,
svá-s mitt of far;
drók eik á flot
við ísa brot,
hlóðk mærðar hlut
míns knarrar skut.


2.
'A prince doth hold me guest
Praise be his due confess'd:

Of Odin's mead let draught

In England now be quaff'd.

Laud bear I to the king

Loudly his honour sing;

Silence I crave around

My song of praise is found.


Buðumk hilmir löð,
þar ák hróðrar kvöð,
berk Óðins mjöð
á Engla bjöð;
lofat vísa vann,
víst mærik þann;
hljóðs biðjum hann,
því at hróðr of fann.


3.
'Sire, mark the tale I tell
Such heed beseems thee well;

Better I chaunt my strain

If stillness hush'd I gain.

The monarch's wars in word

Widely have peoples heard

But Odin saw alone

Bodies before him strown.


Hygg, vísi, at
vel sómir þat,
hvé ek þylja fet,
ef ek þögn of get;
flestr maðr of frá,
hvat fylkir vá,
en Viðrir sá,
hvar valr of lá.


4.
'Swell'd of swords the sound
Smiting bucklers round

Fiercely waxed the fray

Forward the king made way.

Struck the ear (while blood

Streamed from glaives in flood)

Iron hailstorm's song

Heavy, loud and long.


Óx hjörva glöm
við hlífar þröm,
guðr óx of gram,
gramr sótti fram;
þar heyrðisk þá,
þaut mækis á,
malmhríðar spá;
sú vas mest of lá.


5.
'Lances, a woven fence
Well-ordered bristle dense;

On royal ships in line

Exulting spearmen shine.

Soon dark with bloody stain

Seethed there an angry main

With war-fleet's thundering sound

With wounds and din around.


Vasat villr staðar
vefr darraðar
of grams glaðar
geirvangs raðar;
þars í blóði
enn brimlá-móði
völlr of þrumði,
und véum glumði.


6.
'Of men many a rank
Mid showering darts sank:

Glory and fame

Gat Eric's name.


Hné folk á fit
við fleina hnit;
orðstír of gat
Eiríkr at þat.


7.
'More may yet be told
An men silence hold:

Further feats and glory

Fame hath noised in story.

Warriors' wounds were rife

Where the chief waged strife;

Shivered swords with stroke

On blue shield-rims broke.


Fremr munk segja,
ef firar þegja,
frágum fleira
til frama þeira,
óxu undir
við jöfurs fundi,
brustu brandar
við bláar randar.

8.
'Breast-plates ringing crashed
Burning helm-fire flashed

Biting point of glaive

Bloody wound did grave.

Odin's oaks (they say)

In that iron-play

Baldric's crystal blade

Bowed and prostrate laid.


Hlam heinsöðul
við hjaldrröðul,
beit bengrefill,
þat vas blóðrefill;
frák, at felli
fyr fetilsvelli
Óðins eiki
í éarnleiki.


9.
'Spears crossing dashed
Sword-edges clashed:

Glory and fame

Gat Eric's name.


Þar vas eggja at
ok odda gnat;
orðstír of gat
Eiríkr at þat.

10.
'Red blade the king did wield
Ravens flocked o'er the field.

Dripping spears flew madly

Darts with aim full deadly.

Scotland's scourge let feed

Wolf, the Ogress' steed:

For erne of downtrod dead

Dainty meal was spread.


Rauð hilmir hjör,
þar vas hrafna gjör,
fleinn hitti fjör,
flugu dreyrug spjör;
ól flagðs gota
fárbjóðr Skota,
trað nipt Nara
náttverð ara.


11.
'Soared battle-cranes
O'er corse-strown lanes

Found flesh-fowl's bill

Of blood its fill.

While deep the wound

He delves, around

Grim raven's beak

Blood-fountains break.


Flugu hjaldrs tranar
á hræs lanar,
órut blóðs vanar
benmás granar,
sleit und freki,
en oddbreki
gnúði hrafni
á höfuðstafni.

12.
'Axe furnished feast
For Ogress' beast:

Eric on the wave

To wolves flesh-banquet gave.


Kom gríðar læ
at Gjalpar skæ;
bauð ulfum hræ
Eiríkr of sæ.


13.
'Javelins flying sped
Peace affrighted fled;

Bows were bent amain

Wolves were battle-fain:

Spears in shivers split

Sword-teeth keenly bit;

Archers' strings loud sang

Arrows forward sprang.


Lætr snót saka
sverð-Frey vaka,
en skers Haka
skíðgarð braka;
brustu broddar,
en bitu oddar,
báru hörvar
af bogum örvar.


14.
'He back his buckler flings
From arm beset with rings

Sword-play-stirrer good

Spiller of foemen's blood.

Waxing everywhere

(Witness true I bear)

East o'er billows came

Eric's sounding name.


Beit fleinn floginn,
þá vas friðr loginn,
vas almr dreginn,
varð ulfr feginn;
stósk folkhagi
við fjörlagi,
gall ýbogi
at eggtogi.


15.
'Bent the king his yew
Bees wound-bearing flew:

Eric on the wave

To wolves flesh-banquet gave.


Jöfurr sveigði ý,
flugu unda bý;
bauð ulfum hræ
Eiríkr of sæ.


16.
'Yet to make more plain
I to men were fain

High-soul'd mood of king

But must swiftly sing.

Weapons when he takes

The battle-goddess wakes

On ships' shielded side

Streams the battle-tide.


Enn munk vilja
fyr verum skilja
skapleik skata,
skal mærð hvata;
verpr ábröndum,
en jöfurr löndum
heldr hornklofi;
hann's næstr lofi.


17.
'Gems from wrist he gives
Glittering armlets rives:

Lavish ring-despiser

Loves not hoarding miser.

Frodi's flour of gold

Gladdens rovers bold;

Prince bestoweth scorning

Pebbles hand-adorning.


Brýtr bógvita
bjóðr hrammþvita,
muna hodd-dofa
hringbrjótr lofa;
mjök's hánum föl
haukstrandar möl;
glaðar flotna fjöl
við Fróða mjöl.


18.
'Foemen might not stand
For his deathful brand;

Yew-bow loudly sang

Sword-blades meeting rang.

Lances aye were cast

Still he the land held fast

Proud Eric prince renowned;

And praise his feats hath crowned.


Verpr broddfleti
af baugseti
hjörleiks hvati,
hann es baugskati;
þróask hér sem hvar,
hugat mælik þar,
frétt's austr of mar,
Eiríks of far.


19.
'Monarch, at thy will
Judge my minstrel skill:

Silence thus to find

Sweetly cheered my mind.

Moved my mouth with word

From my heart's ground stirred

Draught of Odin's wave

Due to warrior brave.


Jöfurr hyggi at,
hvé ek yrkja fat,
gótt þykkjumk þat,
es ek þögn of gat;
hrærðak munni
af munar grunni
Óðins ægi
of jöru fægi.


20.
'Silence I have broken
A sovereign's glory spoken:

Words I knew well-fitting

Warrior-council sitting.

Praise from heart I bring

Praise to honoured king:

Plain I sang and clear

Song that all could hear.'


Bark þengils lof
á þagnar rof;
kannk mála mjöt
of manna sjöt;
ór hlátra ham
hróðr bark fyr gram;
svá fór þat fram,
at flestr of nam.




Notice that the translation by Leifur Eirícksson in the Penguin Classics edition of Egil's Saga is from 1997!

9 Nov 2008

Lüttje Lage


Broyhan lüttje Lagenbier (1911).
"Wir brüllten wohl fünf Minuten lang und schrien auch das alte Losungswort des ersten Bataillons "Lüttje Lage" - einen Ausdruck für Schnaps und Bier, der jedem Hannoveraner geläufig ist; doch antwortete uns nur ein unverständliches Geschrei."

"We must have shouted for about five minutes, including the old 1st Battalion watchword 'Lüttje Lage' - an expression for beer and a short, familiar to all Hanoverians; but all we got back was a muddle of voices."

"Nous hurlâmes bien cinq minutes la même sommation, lançant aussi le vieux cri de ralliement du 1er bataillon, "Lüttje Lage", expression qui désigne un demi accompagné d'un petit verre d'alcool, familière à tous les Hanovriens ; mais nous n'obtînmes d'autre réponse que des cris incompréhensibles." [thanks g]

Traditionell wird eine Lüttje Lage aus zwei speziellen Gläsern gleichzeitig getrunken. Ein kleines, niedriges Glas (5 cl) mit Lüttje-Lagen-Bier (2,8 %) wird zwischen Daumen und Zeigefinger genommen. Der Mittel- und der Ringfinger derselben Hand halten ein mit Korn gefülltes Schnapsglas (1 cl, 32 %). Beim Trinken werden die Gläser so angesetzt, dass das Schnapsglas über dem Bierglas liegt und der Kornbranntwein zusammen mit dem Bier in einem Zug getrunken wird.

Lüttje Lage consists of a top-fermented dark draught beer and a schnapps (Korn). The special thing about it is the way the two are brought together: the little 5 cl beer glass is raised to the mouth in the normal way, but the 1 cl schnapps glass is held above it, so that the schnapps first flows into the beer. The art is to empty both glasses in a single draught without spilling a drop.


Drinking Lüttje Lage - Die Lüttje Lage: Die Handhabung



Lüttje Lage Anfängerpaket
(Das Starter-Set zum heimlichen üben)
1 Flasche Lüttje Lagen-Bier (0,5 l),
1 Flasche Korn (0,1 l),
1 Gläserset sowie Lätzchen.
10,00 €

7 Nov 2008

Jünger-Haus wird Gedenkstätte


cicero.de:

Das Ernst-Jünger-Haus in Wilflingen wird bis zum Herbst 2010 saniert und zu einer Gedenkstätte umgestaltet. An der baulichen Instandsetzung des Hauses, in dem Jünger über fünfzig Jahre gelebt und gearbeitet hat, wird sich die Denkmalstiftung Baden-Württemberg „maßgeblich“ beteiligen.

Das Ernst-Jünger-Haus in Wilflingen wird bis zum Herbst 2010 saniert und zu einer Gedenkstätte umgestaltet. An der baulichen Instandsetzung des Hauses, in dem Jünger über fünfzig Jahre gelebt und gearbeitet hat, wird sich die Denkmalstiftung Baden-Württemberg „maßgeblich“ beteiligen. Damit werde es möglich, das gefährdete Kulturdenkmal zu retten und das Jüngersche Wohnhaus als literarische Gedenkstätte zu erhalten, teilte das Deutsche Literaturarchiv in Marbach mit, das Jüngers Nachlass besitzt. In Wilflingen sollen dann „bedeutende Teile der Bibliothek des Schriftstellers“ in authentischer Atmosphäre zu sehen sein. Der Eigentümer des ehemaligen Forsthauses, Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg, sicherte der der Ernst-Jünger-Stiftung einen neuen Mietvertrag über zwölf Jahre zu. Wie es weiter hieß, sei zwar die Miete gesichert, nicht aber der Museumsbetrieb. Die Stiftung bittet deshalb um Spenden.

Sanierung des Ernst-Jünger-Hauses in Wilflingen gesichert

Das Jünger-Haus

Photo Gallery

1 Nov 2008

"Ernst Jünger. Der Nachlass", Literaturmuseum der Moderne, November 2010 bis 27. Februar 2011


Im Herbst 2010 soll im Marbacher Literaturmuseum der Moderne eine große Ausstellung zum Leben und Werk Ernst Jüngers eröffnet werden.



Ernst Jünger. Der Nachlass.
7. November 2010 bis 27. Februar 2011
An Ernst Jünger scheiden sich wie immer noch die Geister. Die Ausstellung zeigt vollständig das, was er, der mehr als ein Jahrhundert lebte und in letzter Ehe mit einer Marbacher Bibliothekarin verheiratet war, ins Deutsche Literaturarchiv gegeben hat. Jüngers Papiere schichten sich auf zu einer Landschaft von riesenhaftem Ausmaß, merkwürdigen Kratern und überreicher Vegetation. Eingeschlossen sind darin die Magneten, die den einen anziehen und den anderen abstoßen, eine gelassen angehäufte Stil- und Ideengeschichte der Moderne.

"The literary inheritance [Nachlaß] of Ernst Jünger",
7. November 2010 to 27. February 2011.


Exhibition at the German literature museum Literaturmuseum der Moderne (LiMo), Marbach am Neckar, close to Stuttgart. The exhibition shows the material Jünger handed over to the German Literature Archive (Deutsche Literaturarchiv, DLA).

24 Oct 2008

Ernst Jüngers dagböcker


Några av Ernst Jüngers dagböcker. Foto hämtat ur: Nils Fabiansson, Das Begleitbuch zu Ernst Jünger "In Stahlgewittern"

Ernst Jüngers självbiografiska krigsskildring In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers från 1920 har översatts till svenska av Urban Lindström (I stålstormen) och ges ut av Atlantis Bokförlag inom kort (upplagan lämnar tryckeriet 28 oktober) - se här.

Jünger deltog i första världskriget 1914-1918 och hade efter knappt fyra år på västfronten fyllt nästan 16 dagböcker, på totalt omkring 1500 sidor. De flesta av anteckningsböckerna har fått titeln "Kriegstagebuch" ("Krigsdagbok"). De första är mörkgröna med hårda pärmar, sannolikt inbundna redan under kriget, de övriga har olika i format och färg: några är linjerade, andra är olinjerade eller rutade. En större och tunnare anteckningsbok med påskriften "Fauna coleopterologica douchyensis" är en lista av 143 skalbaggsfynd som Jünger samlat i skyttegravarna, med detaljerade entomologiska uppgifter om latinskt artnamn, fyndort etc.

Under vissa perioder gjorde Jünger åtskilliga dagliga anteckningar. Vid andra perioder, i synnerhet på permissioner, förde Jünger inte dagbok alls. Ett mindre antal noteringar är gjorda flera dagar i efterhand. Anteckningarna är skrivna i svårläst gammaltysk handstil, med svart eller blå blyerts, eller med svart, grön eller lila bläck. Mycket litet har suddats bort, strukits eller rivits ut ur anteckningsböckerna. Till detta rymmer dagböckerna ett 40-tal teckningar, allt från små marginalillustrationer till skisser och kartor som täcker hela sidorna. Här och var förekommer redigeringsanteckningar, sannolikt av något senare datum. Ett par smålappar och urklipp såsom dödsannonser har också sparats inuti pärmarna i några av böckerna.

I de publicerade krigsböckerna nämner Jünger sina dagböcker åtskilliga gånger, liksom kartfodralet där han förvarade dem tillsammans med böckerna han läste för tillfället, och han nämner även flera enskilda tillfällen som han förde dagbok. Dagboken nämns till och med i titeln på de första utgåvorna av In Stahlgewittern: "Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers", alltså "Ur en stormtruppsofficers dagbok". Dagboken var säkerligen honom kär, men man skall också tänka på att själva omnämnandet var ett sätt att påminna läsaren om, och förstärka intrycket av, att de publicerade böckerna bygger på dagboksanteckningar, dvs. öka trovärdigheten. Jünger skriver i den första utgåvan av Das Wäldchen 125. Eine Chronik aus den Grabenkämpfen 1918 (1925):

”Den som hamnar i en situation såsom att tvingas vara med om ett krig eller en annan ovanlig tilldragelse som sträcker sig över en längre tid, skulle jag vilja uppmana att föra en löpande dagbok, även om det bara skulle handla om ett antal stödord som senare kan återuppliva minnet. […] Orden tvingar den som skriver ner dem att närma sig upplevelsernas innerst kärna och – om det så bara är under några minuter varje dag – att höja sig över den bekanta omgivningen, genom att betrakta med åskådarens ögon. [...] Hur som helst stammar ur böjelsen att göra anteckningar även strävandet efter att betrakta, och när man befinner sig i en så sällsam trakt, som kanske endast kommer att existera på detta vis under dessa få år, för att aldrig mer återvända, bör man också beskåda den och försöka förstå dess egenart.”

Ernst Jünger, Das Wäldchen 125. Eine Chronik aus den Grabenkämpfen 1918 (1925), s. 59–61.
Översättning Urban Lindström.


Jünger beskrev också sina egna dagboksanteckningar från kriget i detalj:
"Ibland är skriften lugn, noggrann, och skriven med bläck, så att jag omedelbart vet att jag satt i lugn och ro i något hus på en flamländsk eller nordfransk bondgård, eller i en mycket lugn skyttegrav framför skyddsrummet, rökte pipa och på sin höjd stördes av ett fjärran flygplan som flög sin kvällsrunda. Sedan kommer klumpiga och förvridna blyertsstreck, nedplottrade före ett anfall i någon helvetisk håla fylld av ett gytter av människor, eller i ljuset från en dansande ljuslåga under en svår artilleribeskjutnings oändliga timmar. Korta meningar som består av upphetsade stödord, lika oläsliga som kurvorna från ett stift som registrerar en jordbävning, sluten utdragna till långa streck av den flyhänta handen – det krafsades ned efter anfallet i kratrar eller skyttegravsavsnitt, över vilka de riktade kulkärvarna alltjämt flög som dödliga bålgetingsvärmar.
Ernst Jünger, Das Wäldchen 125, i Sämtliche Werke, Bd. 1, s. 303.
Översättning Urban Lindström.

Ernst Jünger skrev dagbok och publicerade dem ända till sina sista dagar - de senaste som publicerades var från 1995, året han fyllde 100 år (Siebzig verweht V, 1997). Dagböckerna, liksom manuskript och fotografier m.m. förvaras numera på det tyska litteraturarkivet DLA (Deutsches Literaturarchiv Marbach).

Stort tack till Urban Lindström, som översatt citaten ur Das Wäldchen 125 speciellt för stahlgewittern.blogspot.com!

Fotnot: Detta dagboksinlägg finns även på engelska (på Moleskinerie); på franska; på japanska (på Moleskine.co.jp och Notebookism) och på tyska (dock något annorlunda, och med utveckling av seismograf-associationen), i Das Begleitbuch zu Ernst Jünger "In Stahlgewittern".

3 Sept 2008

Cocktail Regniéville Nights



1/2 Rotwein
1/2 Eierkognak
in einem bauchigen Glas


1/2 red wine
1/2 Advocaat
in a big-bellied glass



"Wenn abends die Nebel, sich mit dem schweren weißen Qualm meines Holzfeuers mischend, aus dem Grunde stiegen und ich bei offener Tür im ersten Dämmer zwischen der frischen Herbstluft und der Wärme des Feuers hockte, schien mir ein friedliches Getränk dazu passend: Rotwein mit Eierkognak zur Hälfte in einem bauchigen Glas. Dazu las ich ein Buch und führte meine Aufzeichnungen fort."


"In the evening, when the mists rose off the stream bed, and mingled with the heavy white smoke of my wood fire, and I sat in the gloaming with the door open, between the chill autumnal air and the warmth of the fire, I thought I had come up with just the right peaceful sort of drink: a fifty-fifty mixture of red wine and advocaat in a big-bellied glass. I would sip the mixture, and read or keep my diary."

29 Aug 2008

Note sur les notes de bas de page 224 à 226. Piscine, musée, canal: une journée à Tourcoing


Contribution by Guillaume Tarche:


Piscine, musée, canal: une journée à Tourcoing


Le chapitre intitulé "Contraste", dans Le Combat comme expérience intérieure (1922; traduction française de François Poncet, 1997, révisée par Julien Hervier, 2008), évoque certains détails de la journée du 4 novembre 1917…

[…] Dehors, dans la rue, je demande à un civil le chemin de la piscine. […]

Bains municipaux, ville de Tourcoing, affiche, avant 1914,
Archives municipales de Tourcoing.

[…] C’est superbe à la piscine. Par la verrière du toit, le soleil jette des cercles tremblotants sur le revêtement de dalles vertes. Je glisse à travers l’eau avec ferveur. […]

Piscine des bains municipaux de Tourcoing, coll. Desrousseaux,
Archives municipales de Tourcoing.



Photo: Guillaume Tarche © All rights reserved.

[…] De la piscine, je flâne jusqu’au musée tout proche. […]

Photo: Guillaume Tarche © All rights reserved.


Photo: Guillaume Tarche © All rights reserved.

NB : L’Hôtel de Ville abritait les collections jusqu’en 1931.

[…] Accoudé à cette balustrade de fer qui se tend au-dessus d’une eau dont je ne sais d’où elle vient ni où elle va, mon âme est submergée de cette humeur sombre qui parfois s’élève en nous comme un brouillard, et nous rend les choses vides et incolores, en les dépouillant de leur être. […]

Photo: Guillaume Tarche © All rights reserved.

1 Jun 2008

Ernst Jünger - le numéro 15314


Oran, on the Algerian coast.

Contribution by Guillaume Tarche:

« Cela ne peut pas être très dangereux, le vin rouge… »

Diffusé dans l’émission radiophonique Tout arrive!, sur France Culture, le 22 avril 2008 (à l’occasion d’un entretien avec Julien Hervier pour la publication des Journaux de guerre dans la Bibliothèque de la Pléiade), ce court témoignage – duquel on ne connaît pas la date d’enregistrement – d’Ernst Jünger, en français, concerne son séjour dans la Légion à l’automne 1913. On peut l’écouter ici [environ entre 17’25’’ et 19’00’’]:

« Moi, j’avais le numéro 15314 ; il y a des chiffres que vous n’oubliez jamais, et pour moi c’est 15314, toujours. Mes parents m’ont écrit; au courrier, le caporal a dit: 15314… alors j’ai reçu les lettres… Quelquefois, mes parents m’ont aussi envoyé de l’argent, étant donné que mon salaire de soldat – ce n’est pas comme aujourd’hui, où vous avez 4000 francs – était d’un sou, soit 4 pfennigs… Un litre de vin rouge, de ce lourd vin rouge d’Algérie, ne coûtait qu’un sou, alors j’ai appris là, dans la Légion, à boire du vin rouge… et je m’y suis accoutumé… jusqu’à maintenant… ce qui veut dire que cela ne peut pas être très dangereux, le vin rouge… »

"Red wine doesn’t present any serious danger…"


This short account of Ernst Jünger, in French, evokes his stay in the French Foreign Legion, during the autumn of 1913. It has been broadcasted (April 22nd, 2008) on the France Culture radio, in the programme entitled Tout arrive!, which consisted in an interview with the translator Julien Hervier, on the occasion of the Journaux de guerre’s publication by the Bibliothèque de la Pléiade. The recording date is not mentioned in the programme. Listen here [between ca. 17:25-19:00 min.]:

Transcription:

"Me, I had the number 15314; there are numbers that you never forget, and to me, it’s 15314, always. My parents wrote to me; on the mail delivery, the corporal said: 15314… so I received the letters… Sometimes, my parents sent money too, considering that my pay – not like nowadays, where you can earn 4000 “francs” – raised one “sou”, or 4 “pfennig”… One litre of red wine, of this heavy Algerian red wine, cost only one “sou”, so I learned there, in the Légion, to drink red wine… and I got accustomed to it… until now… which means that red wine doesn’t present any serious danger…"

6 Apr 2008

Quartier/Quarters in Cambrai


Rue des Liniers today.
Photo: Nils Fabiansson
© All rights reserved.

It is difficult to find cheap quarters at Rue des Liniers in Cambrai today, but classic low standard & low price hotels are to be found close to the train station (la Gare).





Hôtel de France
37 rue de Lille,
59400 Cambrai 0033
(0)3 27 81 38 80


Hôtel Le Cristal
2 place de la Gare,
59400 Cambrai 0033
(0)3 27 81 38 26


Au Taximan
21 rue du Maréchal Juin,
59400 Cambrai 0033
(0)3 27 81 32 66




View from a window of Au Taximan.

Photo: Nils Fabiansson © All rights reserved.

17 Mar 2008

A "Storm of Steel" Field Excursion Checklist

Ernst Jünger writes in Annäherungen (1970) about the great charm of planning pleasant things; he writes that it gives him more pleasure to study the garden catalogs during the winter than to see the flowers in reality in the summer - "Wenn im Winter die Kataloge der Gärtnereien kommen, erwecken ihre Bilder ein lebhafteres Vergnügen als Sommer die Blumen, die auf den Beeten blühen." That is often true also of journeys and field excursions. Thus, it is high time to clean and wax the old hiking boots again and make all other arrangements for the (next) trip to the Western Front.

Do not forget:
  • a well-read copy of In Stahlgewittern or Storm of Steel
  • a well-read copy of Das Begleitbuch zu In Stahlgewittern
  • a notebook or another notebook and pencil
  • IGN maps
  • compass
    - all would preferably "fit snugly" into a map-case, as Jünger writes about his own diary notebook.

  • heavy-duty shoes (the car-mat will get muddy)
  • waterproof clothes
  • camera



    and the last things before leaving the hotel, B & B, camping etc:
  • a bottle of water
  • a lunch package - perhaps only hot coffee in a thermos and a fresh baked baguette - it is not always easy to getting lunch at the French countryside...

  • and finally, do not forget to have a phone number to a local car towing company or to somebody who knows how to find somebody local with a tractor...